Steuerrückzahlungen für eine Million Rentner

Knapp eine Million deutsche Rentner dürfen sich demnächst über Rückzahlungen vom Fiskus freuen, weil sie in den vergangenen Jahren zu viele Steuern gezahlt haben. Allerdings müssen sich aber auch ungefähr genauso viele Rentner auf Steuer-Nachforderungen einstellen. Dies berichtet die WAZ-Gruppe unter Berufung auf ein Arbeitspapier aus den Finanzbehörden der Länder. Erste Stichproben der Finanzverwaltung in Nordrhein-Westfalen ergaben, dass etwa 22 Prozent der Rentner ihre Renten-Steuererklärung falsch ausgefüllt haben. Davon zahlte rund die Hälfte zu viel Steuern, die andere Hälfte zu wenig. Hochgerechnet auf ganz Deutschland wären das jeweils 970 000 Rentner.

Im Test lag die Rückerstattung dem Bericht zufolge bei durchschnittlich 250 Euro pro Jahr. Die häufigsten Fehler waren, dass Rentner vergessen haben, ihre Krankenkassen und die Höhe der Pflegebeiträge anzugeben oder die Rentenarten verwechselt haben. So wurde etwa ein Rentner, der seine gesetzliche Renten versehentlich in das Feld für die Betriebsrente eingetragen hatte, bis zu doppelt zu hoch besteuert.

Laut dem Chef der Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, müssen auch schon rechtskräftig gewordene Steuerbescheide korrigiert werden, wenn das Finanzamt die Fehler hätte erkennen können. Die Finanzämter wollen diese Fälle ab Januar Schritt für Schritt aufarbeiten. Die betroffenen Rentner müssen nicht selber aktiv werden, sondern können die Nachprüfungen abwarten.

Anderseits hätten viele Rentner auch Betriebsrenten oder andere Alterseinkünfte verschwiegen. Sie müssten mit Nachforderungen rechnen, die im Test durchschnittlich 150 Euro pro Jahr betrugen. Um die Nachzahlungen wollen sich die Finanzämter erst ab Sommer 2011 kümmern. Steuerstrafen drohen den meisten der bisher zu niedrig besteuerten Rentner wegen der relativ kleinen Beträge wahrscheinlich nicht.